Herzlich Willkommen am Lehrstuhl für Mikroökonomie

Wie verteilt man in optimaler Weise einen endlichen Kuchen auf viele begeisterte Kuchenesser (Verteilung knapper Ressourcen)? Wie viel Freizeit sollte man sich gönnen, wenn mehr Freizeit doch weniger Arbeit und damit weniger Geld bedeutet und so ggf. der neue Computer nicht zu bezahlen ist (Maximieren unter Nebenbedingungen)? Und welchen Einfluss hat das Verhalten einzelner, wenn viele maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind (Analyse strategischer Interaktion)? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen uns – in abstrakter Weise und mit einem Schwerpunkt auf Modellen beschränkter Rationalität bzw. der Frage psychologischer Einflussfaktoren –  am Lehrstuhl für Mikroökonomie. Wenn Sie mehr wissen wollen, kommen Sie gern zu den Sprechstundenzeiten vorbei!

Über Versprechungen und Vertrauen - von Lena von Deylen und Philipp Wichardt

„Versprochen ist versprochen.“ Das ist ein Satz, den viele von uns früh gelernt haben. Nicht, weil Kinder naive Idealisten wären, sondern weil ohne Verlässlichkeit kein Zusammenleben funktioniert. Vertrauen ist kein schmückendes Beiwerk moralischer Debatten, sondern eine zentrale Grundlage von Gesellschaft, von Politik, von jeglicher Form von Zusammenarbeit. Wo Zusagen beliebig widerrufen werden, bleibt nichts, worauf man bauen kann.

Insofern ist nicht verwunderlich, dass kürzlich auf Vertrauen verwiesen wurde, um zu erklären, warum insbesondere die Finnen besonders glücklich sind. Trotz Nähe zu Russland und der entsprechenden Spannungen. Vertrauen in die Gesellschaft, die Institutionen, darauf, dass jemand da ist, wenn man jemanden braucht.... es hilft nicht nur gesellschaftlicher Entwicklung, es macht auch glücklich, wenn es vorhanden ist.

Das Ergebnis scheint auch intuitiv plausibel. Haben wir nicht alle erlebt, wie es ist, wenn man in seinem Vertrauen enttäuscht wird? Die Hilflosigkeit, den Schmerz, die Wut. Und  kennen wir nicht auch die Ruhe, die Gelassenheit, die es schafft, wenn man spürt, dass man in einer Umgebung ist, in der man sich gegenseitig vertraut?  Wie Energie frei wird für Kreatives, für Wachstum, eben für Lebensfreude. Und ist es nicht auch schön Teil eines solchen Miteinanders zu sein?

Um so irritierender ist es, wenn plötzlich zentrale Institutionen nicht mehr vertrauenswürdig sind. Wenn die Deutsche Regierung sich nicht an Zusagen gebunden fühlt, die sie selbst gemacht hat. Sehr wichtige Zusagen zumal. An Menschen, die geholfen haben Demokratie in einem Land aufzubauen, wo vorher andere Machtstrukturen prägend waren. Wo es gefährlich war dabei zu helfen etwas neues zu probieren. Afghanistan. Sie erinnern sich?

Es geht um Menschen, die uns geholfen haben, unsere Werte in ein anderes Land zu bringen. Die sich für Rechtsstaatlichkeit, Bildung und politische Teilhabe eingesetzt haben. Ihnen wurde zugesichert, dass Deutschland sie schützt, wenn sich die Lage zuspitzt. Dieses Versprechen war kein Altruismus, sondern Teil eines gemeinsamen politischen Projekts.

Heute kann man dieses Projekt wohl als gescheitert ansehen. Es war komplizierter als erwartet, und am Ende hat den westlichen Ländern die Ausdauer gefehlt. Zudem war es eine Entscheidung, an der die Helfer nicht beteiligt waren. Wir sind gekommen ohne zu fragen. Und wir sind gegangen ohne zu fragen. Das allein ist schlimm genug. Sollten wir da nicht wenigstens die Versprechen halten, die wir einzelnen gemacht haben?

Ist es wirklich nötig, dass diese Menschen nun aus Pakistan vor deutschen Gerichten darum kämpfen, dass ein Wort gilt, das ihnen Sicherheit geben sollte? Dass Zusagen damit abgetan werden, dass sie nur „politischer Natur“ gewesen seien? Macht eine Regierung je mehr als politische Aussagen? Würden Sie Menschen, die auf Sie vertraut haben — Ihren Freunden, Ihrer Partnerin/Ihrem Partner — sagen “Dass Du Dich auf mich verlassen kannst, war nur eine politische Zusage?” — selbst wenn Sie damit vor Gericht Recht bekämen. Ist das eine Gesellschaft in der Sie leben wollen?

Vertrauen ist so leicht zu zerstören und so schwer wieder aufzubauen. Und es geht um unser aller Glück. Vergessen Sie das nicht! Und schon heute ist Deutschland weit weg von der Spitze der Lebenszufriedenheit. Beunruhigenderweise die jungen Menschen noch viel mehr als die älteren.

Am Ende bleibt eine einfache, unbequeme Frage: Wollen wir eine politische Gemeinschaft sein, die ihre Werte nur dann ernst nimmt, wenn es bequem ist? Oder eine, die zu ihren Zusagen steht – gerade dann, wenn es schwierig wird? Für die Menschen, denen Schutz versprochen wurde, ist diese Frage keine abstrakte. Sie entscheidet über Sicherheit, Zukunft und Leben. Und auch für uns geht es um mehr. Auch für uns ist es keine rein abstrakte Frage. Die Finnen machen es deutlich.

Den ganzen Text als pdf finden Sie hier: Link

Studie der Universität Rostock und des Instituts für Weltwirtschaft Kiel zum Umgang mit Geflüchteten

Migration und der Umgang mit Flüchtlingen war und ist eines der bestimmenden politischen Themen der letzten Jahre. Gefühlt wächst die Polarisierung. Forscher der Universität Rostock und des Instituts für Weltwirtschaft Kiel sind der Thematik auf den Grund gegangen.

Pressemitteilung der Universität RostockTagesschau regional, VideoLink zur Veröffentlichung im Social Forces

Seminar für Interessierte

Am Lehrstuhl organisieren wir ein online-Seminar für Interessierte. Dort begrüßen wir in unregelmäßigen Abständen spannende Gäste und diskutieren interessante Themen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Unser Beitrag für die Offenen Uni

Gemeinsam mit Marion Goertz hat Philipp Wichardt einen Beitrag Zum Thema "Gerechtigkeit, Wirtschaft, Psychologie" für die offene Uni erstellt. Dieser kann über folgenden Link abgerufen werden: Beitrag offene Uni. Eine Pressemitteilung der Universität zu dem Beitrag finden Sie hier.

Gewalt - die bewusste Verletzung der körperlichen oder seelischen Unversehrtheit eines Gegenübers - ist KEINE Lösung.

Menschen sind oft schwierig zu verstehen. Das Zusammenleben im Großen wie im Kleinen ist nicht immer einfach. Nichts passiert einfach so. Alles hat seine Gründe. Vieles passiert aus Unachtsamkeit, Unverständnis oder eigener Not heraus. All das soll hier nicht in Frage gestellt werden.

Die Verweigerung bei Konflikten die andere Seite ehrlich zu hören, die bewusste Anwendung von Gewalt, insbesondere aus einer eingenen Position der Macht heraus, das bewusste Verletzen der körperlichen oder seelischen Unversehrheit von anderen (im Großen wie im Kleinen) sind dennoch keine Lösungen! Gewalt jeglicher Form kann und darf nicht das Mittel der Wahl sein.

Aus sehr aktuellem Anlass (einst der Überfall auf die Ukraine... in der Zwischenzeit sind leider weitere Anlässe hinzugekommen): Wir sind für einen respektovelles und friedliches Miteinander, für ein ehrliches Bemühen um gegenseitiges Verständnis und gegen jegliche Form von Diskriminierung und Gewalt.

Freiheit erfordert den Mut, Gegensätze auszuhalten - Ein Kommentar zu den Coronamaßnahmen

Im Radio wurden kürzlich in den Nachrichten Politiker zitiert, die sagten, nicht irgendwelche Maßnahmen, sondern die Ungeimpften seien schuld an der 4. Corona-Welle und der Spaltung der Gesellschaft… Ohne Nennung anderer Meinungen. Bei meinem Lieblingssender NDR 2, den ich für relativ neutral gehalten hatte. … Mir macht das Sorge. (Nachtrag, um Verwirrung zu vermeiden: Dabei war ich als einer der ersten geimpft und würde in der Situation mit Sicherheit wieder so handeln.)

Ist das die Gesellschaft in der wir leben wollen? Eine Gesellschaft, in der wir Menschen erst die Wahl lassen (impfen oder nicht), dann aber mit dem Finger auf sie zeigen, wenn sie sich freiwillig nicht so entscheiden, wie wir es gern gesehen hätten. Eine Gesellschaft, in der wir behaupten gegen Diskriminierung zu sein, aber dann doch so tun, als seien die, die sich noch nicht haben impfen lassen, irgendwie zu dumm, zu unsolidarisch, und jedenfalls nicht auch mit guten Argumenten ausgestattet.

Um es vorwegzunehmen, mir geht es hier nicht darum, Personen oder Maßnahmen zu kritisieren oder bestimme Vorgehensweisen zu fordern oder zu verteufeln. Vieles von dem, was passiert und entschieden wird, kann ich in letzter Konsequenz nicht beurteilen. Insofern möchte ich das auch nicht tun. Worum es mir geht, ist, zu betonen, wie wichtig es für eine funktionierende pluralistische Gesellschaft ist, auch Andersdenkenden mit Respekt zu begegnen. Freiheit erfordert den Mut und die Kraft auszuhalten, dass es Menschen gibt, die anders denken und anders handeln. Das kann manchmal sehr anstrengend sein. Das ist der Preis der Freiheit.

Den ganzen Kommentar finden Sie hier.

Brexit - kann man das noch verstehen?

Die Briten verlassen Europa oder wollen es verlassen oder wollten es mal verlassen – aber irgendwie auch nicht. Einigkeit besteht wohl nur darüber, dass die Briten gerade nicht so genau wissen, was sie wollen. So ganz genau lassen sich Fragen zum Brexit, die sich nicht einfach mit “No!” beantworten lassen, ja dieser Tage nicht wirklich gut klären. So wird sich manch einer, vielleicht im Gedenken an die guten alten Zeiten, als Asterix und Obelix noch die eigene Weltsicht prägten, fragen, ob da eigentlich alles mit rechten Dingen zugeht in Britannien. Manches scheint doch arg sonderbar, und wie schön wäre es, wenn einfach ein paar sympathische Gallier mit pragmatischen Lösungsansätzen das Ganze in die Hand nehmen würden, damit man das endlich einfach abhaken könnte. Es gibt dieser Tage ja noch so einiges mehr, über das man sich wundern kann. Man denke etwa an Onkel Donald, um mal im Bild der Comics zu bleiben.

Nun haben es die Briten bekanntlich nicht so mit den Galliern. Zudem sind letztere auch gerade sehr beschäftigt, je nach Informationsquelle mit landeseigenen Themen (Tagesschau) oder der Suche nach einem Nachwuchsdruiden (Kino). Da also keine unmittelbare Rettung in Sicht ist, bleibt Gelegenheit, sich noch ein bisschen mit dem Thema zu beschäftigen. Ein paar Aspekte des munteren Treibens auf der Insel lassen sich zum Beispiel auch aus dem Blickwinkel der Wissenschaft ein wenig beleuchten. Das möchte ich hier tun. Dadurch wird dann zwar auch nichts besser, aber manches vielleicht ein bisschen verständlicher. Und gegenseitiges Verständnis steht zumindest nicht im Verdacht Konflikte über Gebühr anzuheizen. ...

Den gesamten Kommentar finden Sie hier.

Unsere Meinung zu Toleranz, Hilfsbereitschaft und Diskriminierung

Aufgrund der politischen Entwicklung der jüngeren Vergangenheit sehen wir, die Mitarbeiter des Lehrstuhls, uns veranlasst an dieser Stelle klar Position für Toleranz und Hilfsbereitschaft und gegen jegliche Form der Diskriminierung zu beziehen.

Wir respektieren ausdrücklich die Meinungsfreiheit. Unabhängig davon sind wir der Meinung, dass Herkunft, Glaube, Geschlecht, etc. keine Grundlage für jegliche Form der gesellschaftlichen Ausgrenzung, Unterlassung von Hilfe oder anderweitige Diskriminierung darstellen dürfen.